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Jubiläumsvortrag von P. Wielgoß
Heiligsprechung
Don Boscos
stiftete Identität

Am 1. April 2009 jährte sich die Heiligsprechung des Turiner Jugendseelsorgers und Ordensgründers Don Giovanni Bosco (1815–1888) zum 75. Mal.

Johannes Wielgoß - Claudius Amann
V.l.n.r.: P. Johannes Wielgoß (Essen) und
Direktor P. Claudius Amann SDB (Benediktbeuern).
Foto: Hermann Kuhn



Aus diesem Grund hatten die PTH Benediktbeuern und das Institut für Salesianische Spiritualität zu einem Vortrag von Pater Johannes Wielgoß SDB über »Das Echo von St. Peter« in den Barocksaal des Klosters Benediktbeuern eingeladen. 45 Personen folgten dieser Einladung, darunter Professoren und Studierende der beiden Benediktbeurer Hochschulen, Angehörige der Don-Bosco-Familie sowie Gläubige aus der Pfarreiengemeinschaft Benediktbeuern-Bichl-Kochel.

PTH-Prorektor Professor Pater Dr. Norbert Wolff SDB begrüßte die Anwesenden und wies darauf hin, daß die Heiligsprechung Don Boscos am Ostersonntag, 1. April 1934, zu einer interessanten und zugleich schwierigen Zeit erfolgt sei: In Benediktbeuern hätten die Salesianer Don Boscos gerade mit ihrer Arbeit begonnen. Im Deutschen Reich und in Italien seien die Nationalsozialisten und die Faschisten an der Macht gewesen.

ISS-Leiter Pater Reinhard Gesing SDB stellte den Referenten des Abends vor: Der 1938 in Bredenborn (Lkr. Höxter) geborene und in Salzkotten (Lkr. Paderborn) aufgewachsene Studienrat für Religion und Geschichte habe zunächst bei der Deutschen Bundesbahn gearbeitet, bevor er als Spätberufener zu den Salesianern Don Boscos gekommen sei. Nach seinem Studium an der Bochumer Ruhr-Universität habe er am Don-Bosco-Gymnasium in Essen-Borbeck unterrichtet und nebenher immer auch historisch geforscht. Zu seinen Hauptinteressensgebieten gehöre die Geschichte der katholischen Jugendarbeit im Dritten Reich.

Pater Johannes Wielgoß stellte die Heiligsprechung Don Boscos zunächst in den Kontext der Geschichte des Ordens in Deutschland. Zu Beginn der 1930er Jahre habe eine große Aufbruchsstimmung geherrscht. Rund 100 Novizen seien jährlich in den Orden eingetreten, so daß die Deutsch-Österreichische Ordensprovinz seinerzeit sehr jung gewesen sei. Die Heiligsprechung durch Papst Pius XI. in Rom sei hierzulande auf ein sehr großes Echo gestoßen. Zum einen hätten sich unter den Gläubigen, die der Zeremonie beiwohnten, viele Deutsche befunden. Zum anderen hätten in den deutschen Salesianerhäusern und auch an Orten, an denen die Salesianer nicht wirkten, Feiern aus Anlass der Heiligsprechung stattgefunden.

Don Bosco sei von den Festrednern und Predigern als ein Vorbild für die damalige Zeit, als ein moderner Heiliger vorgestellt worden. Immer wieder sei dabei das Wort vom »Führer der Jugend« gefallen, das im Übrigen schon vor der nationalsozialistischen Diktatur existiert habe. Nazi-Medien hätten über die Don-Bosco-Feiern zum Teil betont sachlich, zum Teil aber auch in negativer Weise berichtet. Da man danach strebte, die Jugendarbeit zu monopolisieren (Hitler-Jugend), sei eine Jugendarbeit, die sich an Don Bosco ausrichtete, als Konkurrenz empfunden worden. Tatsächlich seien die katholischen Jugendverbände recht bald in ihrer Wirksamkeit eingeschränkt bzw. dann ganz verboten worden.

Die Heiligsprechung Don Boscos habe im innersalesianischen Bereich bewirkt, daß man wieder verstärkt auf die Person des Ordensgründers schaute. Als Beispiel nannte Pater Wielgoß den Benediktbeurer »Werkkreis für Fest und Feier«, auch unter dem Namen »Eisbrecher« bekannt. Salesianische Studenten und Jungpriester hätten sich hier in beispielloser Weise engagiert, allerdings »Don Bosco mehr gefühlt als gedacht«. Es wäre lohnenswert, so der Referent, sich einmal in einer theologischen Diplomarbeit mit diesem Werkkreis zu befassen.

Der Zweite Weltkrieg habe dazu geführt, daß ein großer Teil der jungen Ordensmänner zu den Waffen greifen mußte. Aus den Kriegsbriefen der Salesianersoldaten an ihren Provinzial gehe hervor, daß diese sich sehr stark mit ihrem Ordensgründer identifiziert hätten. Eine wichtige Ursache hierfür sei die Heiligsprechung Don Boscos und ihre Rezeption in Deutschland.

Im Anschluß an den Vortrag bestand noch Gelegenheit, Fragen zu stellen. Die Frage, ob sich auch bekannte Nazi-Größen über Don Bosco geäußert hätten, verneinte der Referent. Auf die Frage, wie die salesianische Jugendarbeit seinerzeit ausgesehen habe, antwortete er, daß diese äußerst vielfältig gewesen sei: von der Lehrlingsarbeit über die Heimerziehung und offene Jugendarbeit bis hin zu Spätberufenenschulen.

Norbert Wolff / PTH-Pressestelle / 2. April 2009
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